Viel Spiel und viel Spass an der Meisterfeier

Der Pokal wird gefeiert
IM Martin Ballmann ruft das Titelteam zur Verteidigung des Pokals auf. Der erste Schritt dazu ist mit der aktuellen Leaderposition gemacht. Von links: Kapitän Roman Freuler, FM Emanuel Schiendorfer, GM Nico Georgiadis, IM Richard Forster (verdeckt), GM Florian Jenni, FM Benedict Hasenohr, FM Kambez Nuri, IM Gabriel Gähwiler, IM Dennis Kaczmarczyk, Erich Lang und FM Walter Bichsel (nicht mehr sichtbar). Später macht der Pokal, gefüllt mit Rotwein, die Runde unter den volljährigen Vereinsmitgliedern. Heute ist jede und jeder ein Champion!
Präsentation des Meisterpokals
Zweiter Schnappschuss, diesmal mit Richard Forster (4. v.l.) und Walter Bichsel (ganz rechts).

Einer der ganz grossen Höhepunkte in der langen Vereinsgeschichte der Schachgesellschaft Winterthur hat gestern Samstag, 21. April 2018, in der Freizeitanlage Holzlegi in Winterthur-Wülflingen stattgefunden. Über sechzig Mitglieder haben es sich nicht nehmen lassen, den 2017 gewonnenen Meisterpokal zu feiern – mit verschiedenen Spielen (strategisch und taktisch, wie es sich für Schachspieler gehört), bei feinem Essen und Trinken und im geselligen Beisammensein.

Das Blitzturnier

Nach einer ersten geselligen Runde mit feinen Apérohäppchen, liebevoll arrangiert von Walter Hollenstein, und einer Auswahl an alkoholfreien Proseccos, kredenzt von Benedict Hasenohr, ging es schnell zur Sache. Ein Blitzturnier dieser Grösse und mit so vielen hochkarätigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sieht der Klub nur ganz selten.

Der Reporter, bei solchen Anlässen sonst durchaus ehrgeizig, nahm es gelassen, auf einem der hintersten Plätze zu landen. Figur eingestellt? Im vergeblichen Rettungsversuch die letzten Zeitreserven verspielt? Was solls, heute bin auch ich ein Champion. Und den Junioren, die mir Punkte weggenommen haben, mag ich sie mehr als nur gönnen. Sie sind die Zukunft des Vereins, und in einigen Jahren werden sie vielleicht ein weiteres Mal den Pokal in die Höhe stemmen. Aus dem sie dann auch trinken dürfen!

Strategie und Taktik neben dem Brett

Während und nach der Umbaupause – Walti Hollenstein und seine Küchenbrigade waren fleissig am Werk – ging es im gleichen Stil weiter, ganz ohne Brett und Figuren. Denn was ein rechter Schachspieler ist, liebt Strategie und Taktik in allen Lebenslagen und mit allen denkbaren spielerischen Mitteln. Als das sind: Jasskarten, Fantasy-Spielkarten oder ein runder Ball auf dem Rasen.

Zwei Mitglieder unseres Meisterteams sind sozusagen Jassprofis, ihres Zeichens Autoren einer eindrucksvollen Abhandlung über die Strategie und Taktik in der Jassvariante „Schieber“. Fairerweise spielten sie nicht im Team, sondern holten je einen weniger versierten Partner an Bord.

Etwas später wurde hinten im Gelände gezockt. Jedenfalls dachte der Reporter das, denn einer unserer Grossmeister ist ja als versierter Pokerspieler bekannt. Da der Schreibende Fake News hasst, ging er der Sache auf den Grund. Was die Mehrzahl des aktuellen Meisterteams da spielte, war ein Spiel namens „Avalon“, mit einer schönen Prinzessin und einem gotischen Schloss auf dem Cover. Nur ganz kurz: Es geht um die Guten gegen die Bösen, wobei man zwar weiss, wer man selber ist, aber nicht wer die anderen sind und wem man trauen kann. Also ganz so unklar wie die meisten Stellungen auf dem Schachbrett. Der wichtigste Unterschied: Beim Schach gilt die Regel des Schweigens, bei „Avalon“ gehört Reden zum Spiel. Also der ideale Ausgleich für Schachspieler.

Bei den künftigen Champions der SG Winterthur ist der beste Ausgleich ein runder Ball, ein Rasen und Tore, in denen der Ball landen sollte. Sollte, liebe Boys, sollte! Denn mehr als einmal musste der Reporter Balljunge spielen und das runde Leder aus Kies oder Gebüsch holen. Ist doch schön, wenn der Opa wieder ein Junge sein darf. Aber, liebe Jungs, üben, üben, üben, auf dem Rasen ebenso wie auf dem Brett!

Speis und Trank

Meistertorte
Die Meistertorte.

Inzwischen war es Zeit fürs Bankett mit einem feinen Hackbraten, Kartoffelstock und Karotten. Jetzt wurden Gespräche über alte und aktuelle Zeiten weitergeführt oder neu angefangen. Das war angesichts des nun massiv anschwellenden Geräuschpegels nicht immer ganz leicht. Aber es war unüberhörbar: Die Schachgesellschaft lebt, und für den Anlass gilt uneingeschränkt das Ogi-Zitat.

Zum Glück waren einigermassen bald alle so satt, dass eine Verdauungspause nötig war, vorzugsweise im Freien an frischer Luft und Frühsommersonne.

Nun folgten die beiden Höhepunkte des Abends: Erstens die Präsentation des Meisterpokals und der vielen Mitglieder, die ihn ermöglicht haben – nicht nur der Meisterspieler, sondern auch der früheren und aktuellen Juniorentrainer Michael Bucher und Heini Scherrer, die einige der jungen Talente entdeckt und zur Meisterreife geführt haben. Zweitens die Rangverkündigung des Blitzturniers, das souverän von FM Emanuel Schiendorfer gewonnen wurde. Und für Liebhaber/innen von Süssigkeiten war bestimmt  die Meistertorte ein zusätzlicher dritter Höhepunkt.

Ausklang

Aus verlässlicher Quelle weiss der Reporter noch folgendes zu berichten: Um etwa halb eins wurde der Holzlegisaal in einen abgabereifen Zustand zurückversetzt – vielen Dank all den fleissigen Helfern im Hintergrund fürs Auftischen, Abräumen, Umbauen und Putzen! Dann dislozierten die Unentwegten in die Altstadt und liessen es bis etwa um drei Uhr in der Früh krachen. Recht so, denn man wird ja nicht alle Jahre Schweizermeister? Aber halt, wir wollen doch den Pokal verteidigen! Also lasst es bitte auch nächstes Jahr wieder krachen, liebe Champions der SGW!

(Fotos: Ruth Huber)